Bergvogel-Weekend Glarus

Tag 1:
Unser Abenteuer begann wie immer am Treffpunkt am Zürcher Hauptbahnhof. Die Stimmung war voller Vorfreude, als wir gemeinsam in den Zug Richtung Glarus stiegen.
Vom Tal aus startete unsere Wanderung – und sie schenkte uns gleich zu Beginn nichts. Der Weg führte uns steil hinauf durch einen dichten Mischwald. Es war heiss, und die fortgeschrittene Tageszeit machte es uns nicht leicht, Vögel zu entdecken. Neben einer beachtlichen Anzahl an Zecken, die uns im Wald auflauerten, brauchten wir einiges an Geduld um Vögel zu entdecken: Ein singender Berglaubsänger und ein vorbeifliegender Tannenhäher machten den Anfang auf unserer Beobachtungsliste.

Nachdem wir stolze über 1000 Höhenmeter bezwungen hatten, erreichten wir endlich die Hütte. Erleichtert packten wir alles aus, was wir für die nächste Etappe nicht mehr mitschleppen mussten. Frisch motiviert starteten wir zu einer kleinen Rundwanderung in Hüttennähe entlang der Baumgrenze. Und ab jetzt überschlugen sich die Ereignisse!

Schon nach wenigen Minuten konnten wir mehrere Steinadler entdecken, die am Berghang ihre Kreise zogen. Und als erstes richtiges Highlight zeigte sich ein junger Bartgeier – ein wahrhaft imposanter Anblick! In den Nadelbäumen entlang der Baumgrenze entdeckten wir zudem weitere typische Alpenbewohner wie den Zitronenzeisig und hörten den charakteristischen Ruf des Kuckucks.

Zurück in der Hütte wartete bereits das verdiente Abendessen auf uns: feine Spaghetti mit einer vegetarischen Bolognaise, knackiger Salat und sogar ein kleines Dessert, das die Energiespeicher wieder auffüllte.

Als die Sonne langsam hinter den Gipfeln versank und das Licht weicher wurde, brachen wir zur Abendexkursion auf. Kaum hatten wir die Hütte verlassen, erblickten wir bereits balzende Birkhähne und eine Gämse, die ruhig am Hang stand. Es wurde von Minute zu Minute dunkler und ruhiger. Plötzlich durchbrach ein Geräusch die Dämmerung, auf das wir alle gehofft hatten:

„Wrrr wrrr wrrr psip!“

Eine Waldschnepfe! Sie flog in rasantem Flug nur knapp über unsere Köpfe hinweg, sodass sie jeder von uns perfekt beobachten konnte. Als wäre das nicht schon genug, drehte sie eine Schleife und überflog uns ein zweites Mal. Was für ein krönender Abschluss für unseren ersten Tag!


Tag 2:
Der zweite Tag begann für die ganz Motivierten noch vor dem Frühstück. Früh aufstehen lohnt sich in den Bergen fast immer: Direkt bei der Hütte konnten wir erneut die Birkhühner und eine Ringdrossel beobachten. Unser Weg führte uns in einen offenen Nadelwald – das perfekte Habitat für einen der heimlichsten Waldbewohner überhaupt. Plötzlich rief Nino laut: „Da!!“ Wir drehten uns blitzschnell um und trauten unseren Augen nicht: Ein Haselhuhn! Wie es für diese scheue Art typisch ist, dauerte die Beobachtung nur kurz, aber es war ein absolut unglaublicher Moment.


Nach dem ausgiebigen Zmorge machten wir uns auf den Weg zur grossen Tageswanderung oberhalb der Baumgrenze. Kaum hatten wir die letzten Bäume hinter uns gelassen, hörten wir ein Steinhuhn aus dem gegenüberliegenden Geröllfeld rufen. Und wieder war es Nino, der tatsächlich zwei Steinhühner etwas oberhalb eines Felsen in einer kleinen Wiese entdeckte.

Video: Simon


Die Erfolgsserie riss nicht ab. In einer steilen Felswand entdeckte Nino (natürlich wieder er! 😉) ein wunderschönes Steinrötel-Männchen. Während wir dem Pfad weiter folgten, füllte sich unsere Liste mit typischen Bewohnern der alpinen Stufe: Alpenbraunelle, Schneesperling, Steinschmätzer und Bergpieper zeigten sich von ihrer besten Seite.

Auch die Säugetiere kamen nicht zu kurz: Wir beobachteten Steinböcke und Gämsen, die mit ihren verspielten Babys durch die Hänge zogen.
Derik konnte sogar kurz einen Wolf beobachten – ein würdiges Geburtstagsgeschenk!
Noch bevor wir den Pass – unseren geplanten Mittagsplatz – erreichten, konnte ein Teil der Gruppe sogar den charakteristischen Ruf eines Alpenschneehuhns hören.


Oben angekommen, packten wir unser Zmittag aus. Und dann passierte etwas, womit niemand von uns gerechnet hatte. Erst sahen wir einen Gänsegeier am Himmel kreisen. Dann zwei… und plötzlich füllte sich der Himmel. Es waren nicht zwei, nicht drei, sondern über 40 Gänsegeier! Die riesigen Vögel kreisten direkt über unseren Köpfen. Sie nutzten vermutlich die Thermik, um vor dem aufziehenden Gewitter zu flüchten. Ein absolut atemberaubendes Schauspiel!


Da die Wolken immer dunkler wurden, machten auch wir uns zügig auf den Rückweg zur Hütte. Dort packten wir unsere Sachen und wanderten zur Seilbahn, die uns sicher ins Tal hinabbrachte.

Im Tal angekommen, setzte der Regen schliesslich ein. Doch das hielt uns natürlich nicht davon ab, dieses grandiose Wochenende mit einem feinen Glace zu feiern. Müde, kaputt, aber überglücklich machten wir uns auf den Heimweg. Das Glarnerland hat sich von seiner wildesten und schönsten Seite gezeigt!